Eine merk-würdige Wanderung: Pilgerzeit am Johannesweg März 2016

1085974_m3t1w530h299q75s1v52677_xio-fcmsimage-20140625192017-006046-53ab04d118582-.87444f30-c13e-482a-9c89-aa181b5e575dVier Tage – 85 km – 2500 Höhenmeter … ZU FUSS!!!

Das hört sich nach Allerhand an ……..              und ist es auch.           Natur pur – Ruhe ohne Ende – Auf- und Durchatmen … und das alles mit reichlich Zeit und ohne Druck.

Am Johannesweg in den Mühlviertler Almen haben sich kluge Köpfe an ein Projekt gewagt, welches genau das hält, dass es auch verspricht. —-> Link Johannesweg

Unberührte Natur, perfekt ausgeschildert mit den Besonderheiten dieser Gegend gepaart: 1913471_668794803185662_2871120919702831636_o

Wir haben uns für die 4 Tages Etappe entschieden und sind Freitag gegen Mittag in Pierbach angekommen.

Wie alles auf diesem wundersamen Weg ist auch der Parkplatz für die Pilger gut ausgezeichnet. Rucksack umgeschnallt und auf gehts. … Unser Abmarsch führt uns vom Ort raus auf den Ramlberg. Nach nicht einmal 4 km werden unsere Erwartungen von einer unfassbar schönen Aussicht übertroffen.

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Johannesbrunnen und Engelskapelle

Am Johannesbrunnen wird uns das erstemal die Schönheit des Mühlviertels bewusst und es wird nicht das letztemal bleiben. In der Engelskapelle entzünden wir ein Kerzerl für all unsere Lieben und marschieren weiter zur Kugelmühle, in deren Wasserspiel aus Steinblöcken Kugel geformt werden. Das beeindruckt uns sehr.

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Kugelmühle

Weiter geht es durch den frühlingshaften Wald bergauf und bergab. Immer wieder dürfen wir uns an den bemoosten riesigen Steinen erfreuen. Wenn man den Johannesweg geht, sollte es spätestens nach unserem Bericht klar sein, dass der Wind ein ständiger Begleiter ist. Und um diese Jahreszeit auch noch richtig, aber so richtig kalt sein kann, daher war unsere Mittagspause auch recht kurz.

Nach 9 km kam dann wieder die Zivilisation in Sicht – der Ort Schönau. Wie überall sind auch hier die Bewohner richtig lieb und ratschen gern. Beim Fragen nach einem Kaffeehaus (mit KUCHEN!!!) wurde uns nach einem Schmunzeln mitgeteilt, dass es ein richtiges Kaffeehaus hier nicht gibt, aber beim Spar hinten drinnen auch Kaffee und Kuchen zu bekommen wäre. Also auf dahin. Der Spar wurde von uns auch gleich gefunden und wir waren richtig überrascht, wie nett es da drinnen ist und auch die freundliche Dame hat uns unsere Pause verschönt.

Schönau, Spar Markt Kaufhaus-Bäckerei Brandstetter, Hauptstraße 5, Ortsmitte,

So gestärkt kam dann gleich unsere erste Herausforderung beim Bergan gehen. Der Hang der Speedgleitbahn. Da war man auch mal froh um den Wind… Nun wird es schon später Nachmittag als wir endlich den Herrgottsitz erreichen und sehr motiviert raufklettern.

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Herrgottssitz

Als wir das Bergbuch aufschlagen sehen wir, dass meine Freundin Christina am Vortag auch den Anstieg geschafft hat, das freut uns sehr. Wir widmen diesen Abschnitt meinen Schwager Zak, der zur Zeit sehr tapfer sein muss.

Zu unserem Hochgefühl vom Herrgottssitz kommt noch das Bewusstsein, fast die erste Tagesetappe von 17 km geschafft zu haben. So trudeln wir in Pehersdorf ein und finden auch gleich unser Quartier beim Onkel Peda. Dort werden wir sehr herzlich begrüßt und beziehen ein sehr großzügiges Zimmer. Nach einer verdienten Dusche durften wir am Familienessen in der gemütlichen warmen Stube teilhaben. Selbstgemachter Leberkas mit Erdäpfelpüree… vorher eine Gemüsesuppe und „hintnoche“ Himbeerjoghurt auch selbst gemacht.

Beim Onkel Peda -so heisst der Seniorchef- dieses Wander-Reiterhofes ist man nicht nur gut unterhalten, sondern wird auch mit selbstgebrannten richtig guten Schnäpsen verwöhnt. Ja, wir haben sehr gut geschlafen 🙂

Tag 1: Pierbach – Pehersdorf  (ca. 17 km) Übernachtungsmöglichkeiten:

Bio-Urlaubsbauernhof Kriechbaumer, Pehersdorf 18, Schönau i.M., Tel.: 07261/7402 http://www.bauernhof.at/kriechbaumer.schoenau

Gut ausgeschlafen genossen wir das reichhaltige Frühstück mit selbstgebackenen Brot. Onkel Peda zeigte uns auch seinen hauseigenen Brotbackofen der auch eine Selch (Räucherkammer) beinhaltet. Ich hoffe, ich bekomme dieses Brotrezept und werde es anschließend auch für euch niederschreiben.

Wir genießen die Ruhe unsere heutigen Wanderung und sind fast allein auf dem Weg. An einigen schönen Plätzen üben wir uns in Qi Gong und gehen energiegeladen weiter. Der Anstieg auf den Herzogreith durch Wald und Wurzeln zahlt sich aus, die Aussicht ist sensationell und auch die Geschichte dieses Ortes hat etwas magisches…

Stitched Panorama

Ausblick vom Herzogreith

Am Fuße des Felsens genossen wir unsere Mittagsjause und zogen dann ausgeruht nach St.Leonhard weiter. Am „Bründl“ wird der Pilger aufgefordert ein261007 014.jpgen der dort deponierten Steine mit auf den Haiderberg zu nehmen. Wir haben Unseren beschriftet und mit auf den nächsten Abschnitt des Johannesweges genommen. Zugegeben den Berg vom Bründl aus zu sehen ist nicht grad die volle Motivation, jedoch habe ich gelernt nicht den ganzen Weg zu sehen, sondern nur die einzelnen schönen Abschnitte. Dies kann ich auch auf meinen Alltag mit übernehmen.

Wir wurden wieder mit einem wunderschönen Fernblick belohnt und haben unseren Stein ans Gipfelkreuz gelegt.

Beflügelt mit der Aussicht auf Kaffee und ja,  wieder Kuchen ging es rasch bis nach Langfirling. Leider blieb es nur bei Kaffee, die Wirtin hat wohl die Fastenzeit sehr ernst genommen.

Ein Stück der Strasse entlang fanden wir einen Pilgerstab, der uns fortan gute Dienste tat. Wir passierten den Galgenhügel – manche Geschichte will man so genau nicht wissen. Wir näherten uns schnell Weitersfelden und mussten auf Grund Durchgangsrechte einen Grund umrunden. Der Bachlauf der schwarzen Aist schlängelt sich mit seinen eisenhaltigem goldenem Wasser durch die bezaubernde Landschaft. Hier auf der Zwischenstromwiese trifft die schwarze und die weiße Aist zusammen und gehen in die Waldaist als kleiner Strom über. Auf den hölzernen Liegen kannst du bei wärmerem Wetter sicher gut rasten und erlebenden, wie die beiden Bäche auch symbolisch vieles mitnehmen und auch wieder weitertragen. Die Entstehungsgeschichte des Johannesweges interessierte uns sehr und wird auch ausführlich an diesem Durchgang beschrieben. In Weiterfelden angekommen, suchten wir uns unser Quartier und waren nach 40.375 Schritten, froh unsere Schuhe ausziehen zu können.

Tag 2: Pehersdorf – Weitersfelden (24,63 km)

 

Nach dem Frühstück und dem obligatorischem Selfie beim Weggehen zog es uns zum Naturkino. Der Ausblick hatte wirklich etwas von einem Kino, auch die behauenen Holzstämme als Sitze davor waren eine Kunst für sich. Wir verlassen die Gegend um Weitersfelden und betreten wieder Wald und Hügel, hier liegt auch noch vereinzelt einiges an Schnee und bildet eine nette Abwechslung zum frühlingshaften Wetter. Wir staunten nicht schlecht, als wir an den Bauernhöfen der Silberberger Schnapsbauern vorbeikamen. Ersten begrüßte uns ein so freundlicher semmelblonder Hund und wir trafen auf eine Schnapsoase, in der auch verkostet werden konnte.

Und das taten wir auch. So, wieder in vollem Schwung begannen wir den Aufstieg zum Kammerer Stein bzw. zum Kammerer Kreuz. Für uns war dann dieser Platz mit dem Kirchlein der Allerschönste auf dem Johannesweg. Das Wetter strahlend schön fanden wir Zeit und Muse nach einer Qi Gong Übung und dem Besuch in der Kirche einige Zeit einfach in der Sonne zu liegen und nichts zu tun. Es ist Palmsonntag und von überall her hören wir die Kirchenglocken. Das war wirklich eine sehr besinnliche Zeit da oben mit dem besonders weitreichendem Ausblick zu den grandiosen Alpengipfeln. 8d903811-9187-40ae-8c23-4d6b94b614b5_l

Und von nun an ging es bergab… fast.

Die einzelnen Stationen des Johannesweges werden 81452314.jpgdurch Stelen mit bewegenden Sprüchen bekundet. Bevor wir Kaltenberg erreichen, passieren wir den 8. Punkt, das Augenbründl und die Ursprungskapelle, welche auch eine interessante Geschichte zu erzählen haben. Kaltenberg liegt sehr idyllisch, wir jedoch ziehen weiter an zahllosen Kapellen und Kapellchen in den Kreuzweg runter nach Unterweissenbach, es wird dich jetzt nicht überraschen – auf der Suche nach Kaffee und Mehlspeis! Wir werden im Hotel Fürst fündig und genießen Kaffee und Torte, bevor es jetzt doch wieder bergan Richtung Hirschalm weitergeht. Ein nettes einheimisches älteres Ehepaar wagt es uns zu überholen…. das konnten wir uns sicher nicht gefallen lassen und kamen so in ein total informatives Gespräch – wie so oft auf dieser schönen Reise. Sie begleiteten uns ein Stück und vor dem Anstieg zum Wegererstein trennten sich unsere Wege. Durch den Wald stiegen wir langsam und stetig nach oben und schafften so die Höhe von 834 m zum Wegererstein. Der war es auch wert.

Nur kurz war unsere Rast und schon ging es dank Traubenzucker weiter zur Almhütte des Jagdmärchenparks, der durch einen Weidenbogen sich mit all seinen Tieren von einer sehr schönen Seite präsentiert. Auch die Johanneshütten, die oben zu mieten wären schauen sehr nett und komfortabel aus. Wir jedoch ziehen weiter. Unser Endpunkt für heute ist die größte Etappe auf diesem Weg (30 km) Königswiesen. Da wir für diesen Abschnitt kein Quartier vorgebucht haben, riefen wir einige Unterkünfte an. Das Bemerkenswerte auf diesem Pilgerweg ist, dass viele Herbergen auch einen Transferdienst anbieten, dh sie holen dich von dort wo deine Kräfte verbraucht sind ab und fahren dich am nächsten Tag wieder an diese Stelle zurück.2015Koenigswiesen40.jpg

Die letzte Station (12) bildet das Gipfelkreuz auf der Naturplattform Harlingsedt. „Der Schlüssel zum gesunden Altern liegt in deinem Alltag“…

 

IMG_0706Wir schaffen den Weg nach Königswiesen und lassen uns von dem außerhalb des Johannesweges liegenden Wirt auf da Hoad holen. Eine weise Entscheidung. Die Oma des Hauses verwöhnte uns mit Knödelgröstl und frischem Krautsalat. Wir freuten uns über das Bier und ihrer bezaubernden Freundlichkeit, wie es nur Wirte innehaben die ihren Beruf wirklich lieben. Das Wirtshaus hätte eigentlich zu und so waren wir die einzigen Gäste. Die Zimmer sehr sauber und großzügig, wir schliefen wie Murmeltiere. Bei unserem nächsten Besuch steht dieses Quartier sicher wieder auf unserer Liste.

Tag 3: Weitersfelden – Königswiesen 30 km                         Quartier: Wirt auf da Hoad

 

Ein liebevoll zubereitetes großzügiges Frühstück erwartete uns am nächsten Morgen. Gut ausgeschlafen und mit großer Vorfreude auf die leider letzte Etappe wurden wir in den Ort Königswiesen von der Schwester des Wirts mit dem Auto hingebracht. Sie erzählte uns von weiteren Pilgerwegen zB dem Barbaraweg und dem Assisiweg in Italien. Am Marktplatz machten wir unser Motivationsfoto und auf gehts…

Wir schnallen unsere Rucksäcke um und gehen bei mildem Wetter und wenig Wind den nächsten Markierungen folgend. Zum Thema Rucksack wäre zu bemerken, dass ich da auch schnell gelernt habe, 10 dag zuviel Eingepacktes schnell mal gefühlte 10 kg haben können… schreibt euch eine Packliste und streicht dann am besten die Hälfte wieder raus… eure Schultern/Rücken wird es euch danken….

Heute haben wir sehr gemischten Untergrund, teils auf der wenig gefahrenen Straße und wieder durch Wald und Wiese.

Die Ruine Ruttenstein sahen wir schon von weiter Ferne und freuten uns da oben auf unsere Mittagsrast (und Kaffeeeeee…). Wir sind immer wieder erstaunt wie sorgsam die Mühlviertler mit ihrem Hab und Gut umgehen. Jeder noch so kleine Holzstoß wird hier achtsam und akkurat gestapelt, grenzt fast schon an Kunst. Das gefällt uns und auch sonst ist hier alles frisch sauber und sehr gepflegt. Wir sahen nie eine Bruchbude oder etwas anderes Vernachlässigtes.

Irgendwie ließ mein Blutzuckerspiegel heute meine Motivation für den Anstieg der Ruine nicht so recht in Einklang bringen. Wahrscheinlich war mein Hirn schon wieder den Augen gefolgt und sah nur die Ruine da oben und vorerst nicht nicht den schönen Weg. Das änderte sich aber gleich mal, da uns eine Gruppe junger Belgier entgegenkam die so fröhlich plauderten, dass ich mich da gleich anstecken ließ…

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Ruine Ruttenstein

Der Weg rauf war sehr sanft und meine Befürchtungen waren alle umsonst. Oben angekommen stellten wir dann fest, dass die Gaststätte geschlossen hat. Gut, dass wir uns immer versorgen und so haben wir einfach unsere Jause ausgepackt, einen Tisch von dort aufgestellt und es uns schmecken lassen.

Nach dieser Rast war unser nächstes Ziel schon bergab wieder der Ausgangspunkt unseres Pilgerweges. Wunderschöne Bachläufe und prächtige Häuser waren auch hier tonangebend. Durch die Wälder nach unten zu wandern, milderte auch den letzten Teil, der auf der Straße nach Pierbach führte. Irgendwie zu schnell…

Etwas vor dem Ort haben wir eine sehr lustige Werbetafel entdeckt, die besagte „nur 10 Minuten weiter und wir werden reich belohnt.. Gasthof Populorum“ . Das wollten wir natürlich genau wissen.

Leicht gefunden – und reichlich belohnt mit sensationeller selbstgemachte Mehlspeis, richtig gutem Kaffee und einer unfassbar aufmerksamen Gastgeberin. Sie hat mir sogar meinen Pilgerstab, den ich in der Stube hab stehen lassen bis zum Auto nachgebracht. Danke nochmal dafür, ich hätte ihn vermisst. Empfehlenswert —> Gasthof Populorum

Als wir unsere Sachen im Auto verstaut hatten, kam etwas Melancholie auf und wir konnten es noch gar nicht richtig erfassen, dass wir schon angekommen waren… unser Körper zumindest… geistig sind wir noch immer am Weg…

Zusammenfassend kann ich aus tiefstem Herzen sagen, dass dieser Weg für mich auch jetzt, 10 Tage später immer noch nachhallt und mir sehr schwer zu beschreibende Gefühle beschert.

Mutig – dass ich es gewagt habe diese Strecke in Angriff zu nehmen

Stolz – es auch trotz einiger Wehwehchen geschafft zu haben

Glück – das mit einem so wertvollen Menschen liebevoll erlebt haben zu dürfen

Demütig – gesund genug zu sein diese Höhenmeter und Kilometer genossen zu haben

Reich beschenkt – auch die Zeit dafür nehmen zu können

Dankbar – dass mich meine  Familie so umkompliziert ziehen liess…

Wehmütig – den nächsten Weg schon im Sinn zu haben.

…ich kann diesen besonderen Weg all jenen Menschen empfehlen, welche einen Hauch Abenteuerlust gepaart mit dem Blick nach weiter Ruhe suchen. Jene die all ihre Sinne vernehmen und ihren Körper evt auch mal an eine Grenze führen wollen. Jene die im Einklang mit der Natur auch innen still werden möchten und dem lauten und schnellen Alltag entfliehen wollen. Tu es einfach – es ist immer das, was du draus machst… 

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