Aktuell ist Hochsaison für den Winterblues.
Frieren. Kalte Hände und Füße. Eine gedrückte Stimmung. Man wird schneller krank, fühlt sich müde, hat mehr Appetit – und ehrlich gesagt: deutlich weniger Lust auf Bewegung.
Und nein – das liegt nicht einfach nur am Wetter.
Was wir da erleben, sind ganz reale Mechanismen unseres Körpers, die im Winter auf Hochtouren laufen (oder eben nicht mehr richtig hinterherkommen).
Im Winter sinken die Temperaturen, das Tageslicht wird weniger.
Alle Säugetiere – und ja, auch wir – haben Anpassungsmechanismen, um damit umzugehen.
🌿 Einer der wichtigsten davon ist die Thermoregulation, also die Fähigkeit unseres Körpers, sich selbst warm zu halten.

Daran beteiligt sind unter anderem:
– der Hypothalamus
– unser Nervensystem
– die Schilddrüse
– die Nebennieren
Sie steuern Prozesse wie:
– die Aktivierung von braunem Fettgewebe (vereinfacht: das „wärmende“ Fett)
– den Abbau von weißem Fettgewebe, das Energie für die Wärmeerzeugung liefert
Spannend: Neuere Erkenntnisse zeigen, dass sogar Zellen unseres Immunsystems (Makrophagen) an dieser Wärmeregulation beteiligt sind.
Eigentlich ein perfektes Zusammenspiel:
🔥 Wärmeproduktion
🔥 Energiegewinnung
🔥 aktives Immunsystem
👉 uns ist warm
Eigentlich.
Denn das funktioniert nur, wenn der Körper insgesamt gut aufgestellt ist. Und vor allem, gut genährt ist.
Und jetzt Hand aufs Herz:
Der Winter ist für die meisten von uns eine Hochbelastungszeit.
Arbeit, Projekte, Verpflichtungen, Termine, unsere Kinder, die von Schule und Kindergarten schnupfig heimkommen
👉 Dauerstress
👉 Überforderung der Regulationssysteme
Und ganz ehrlich:
Wie viele Menschen – vor allem Frauen – haben heute wirklich
– eine stabile Schilddrüse
– ein gut reguliertes Nervensystem
– belastbare Nebennieren
– und keinen latenten Eisenmangel?
In einem schnellen Alltag, mit wenig Pausen und oft mäßiger Ernährung,
geht diese Zahl leider gegen null.
⚠️ Genau deshalb frieren wir im Winter so häufig.

Stress + mangelnde Anpassung von Nerven-, Immun-, Schilddrüsen- und Nebennierensystem
= der Körper kommt schlicht nicht mehr nach.
Und noch etwas Wichtiges:
Darum haben wir im Winter auch mehr Hunger.
Wenn das weiße Fettgewebe nicht ausreichend Energie freisetzt,
fehlt dem Körper Brennstoff für Wärme.
Die logische Folge: Er verlangt nach mehr Essen –
vor allem nach schnellen Kohlenhydraten wie Brot, Gebäck oder Zucker.
Das ist
– der schnellste Weg zu Energie
– und gleichzeitig Trost in stressigen Zeiten 🤍
Ein zweiter großer Faktor ist das fehlende Tageslicht.
Im Herbst und Winter verkürzt sich der Tag um rund 6 Stunden.
Damit verbunden ist das, was viele von uns kennen:
eine leise, manchmal auch schwere Form von Traurigkeit, Antriebslosigkeit, innerer Leere –
die saisonale Verstimmung.
Vermutlich spielt hier eine gestörte Serotonin-Regulation eine große Rolle.
Serotonin – unser „Glückshormon“ – wird vor allem bei hellem Tageslicht gebildet.
Wenn wir morgens im Dunkeln losgehen
und abends im Dunkeln heimkommen,
leidet diese Hormonproduktion deutlich
(und nein – künstliches Licht zählt leider nicht).





Die Folge?
Auch der Schlaf gerät aus dem Gleichgewicht.
Denn Serotonin ist die Grundlage für Melatonin, unser Schlafhormon:
👉 Weniger Serotonin tagsüber
👉 weniger Melatonin am Abend
Deshalb fühlen wir uns im Winter oft:
👉 gedrückt
👉 müde
👉 anfälliger für Infekte
Ein ziemlich düsteres Bild, ich weiß.
Aber: So schlimm ist es nicht.
Genau dafür gibt es Gesundheitswissen –
damit wir lernen, uns anzupassen, statt gegen uns zu arbeiten.
Und damit wir Herbst und Winter nicht nur „überstehen“,
sondern sogar stabil und kraftvoll durchgehen können.
💛 Heute möchte ich mit dir teilen,
wie wir uns im Winter über Ernährung und auch mit Gewürzen von innen wärmen können.
Nein – ich meine keinen Alkohol
(Des schafft ihr a ohne mi 😄 und zweitens: er wärmt tatsächlich nicht).
Es gibt Lebensmittel, die uns wirklich wärmen:
– durch ihre Temperatur
– und durch die sogenannte nahrungsinduzierte Thermogenese
Das ist die Energie, die unser Körper aufwendet, um Nahrung zu verdauen.
Ein schöner Nebeneffekt davon: Wärme.
Am stärksten wärmend ist Essen, das
👉 heiß serviert wird (auch die Teller anwärmen, ist mir persönlich grad so wichtig)
👉 und die Thermogenese ankurbelt
Meine persönlichen Top 3, bei denen einem spürbar warm wird:
1. Brühen & Suppen auf Fleisch- oder Fischbasis
Eiweiß ist einer der stärksten Treiber der Thermogenese.
Proteinreiche Speisen bringen uns buchstäblich ins „Schwitzen“.
Brühen und Suppen liefern Eiweiß in besonders gut verwertbarer Form –
und sind im Winter echtes Seelenfutter. Oma`s Kochensuppe kann schon was.
2. Getränke & Speisen mit „heißen“ Gewürzen
Kennst du das Gefühl, wenn nach Ingwer Wasser oder Tee plötzlich Hände und Füße warm werden?
Das ist keine Einbildung.
Ingwer, Chili, Kren oder Senf fördern die Durchblutung
und steigern die Wärmebildung im Körper.
Perfekt für kalte Tage.
3. Eisenreiche Lebensmittel
Besonders Menschen mit Eisenmangel frieren im Winter stark.
Eisen ist zentral für Schilddrüse, Nervensystem und Wärmeregulation.
Gute Quellen sind Innereien, rotes Fleisch, Hülsenfrüchte, Kakao.
Vitamin C und Gewürze helfen, Eisen besser aufzunehmen.

🌿 Hildegard von Bingen zum Winter & Frieren
Für Hildegard ist der Mensch untrennbar mit den Jahreszeiten verbunden.
Der Winter steht bei ihr für:
- Rückzug
- Verdichtung
- Kälte
- verlangsamte Lebenskräfte
Sie sagt sinngemäß:
👉 Wenn die äußere Wärme schwindet, muss der Mensch die innere Wärme pflegen.
Diese innere Wärme nennt Hildegard viriditas –
die Lebenskraft, das „Grünsein“ im Menschen.
Im Winter droht diese Kraft zu schwächeln, wenn der Mensch sich nicht richtig nährt und schützt.
🔥 Frieren = Mangel an innerem Feuer
Hildegard beschreibt Frieren, Müdigkeit, Melancholie und häufige Infekte als Zeichen dafür, dass:
- die Verdauungskraft geschwächt ist
- das Lebensfeuer (ignis) nicht ausreichend genährt wird
- der Körper zu wenig „wärmende Säfte“ bilden kann
Kälte kommt für sie nicht von außen, sondern entsteht im Inneren,
wenn Nahrung, Rhythmus und Lebensweise nicht zur Jahreszeit passen.
🍲 Ihre klare Empfehlung für den Winter
Ganz ähnlich wie Ayurveda – nur mit anderen Worten:
✔ Warm, gekocht, gewürzt
Kaltes, Rohkost, Übermaß an Brot oder Süßem schwächt nach Hildegard die innere Wärme.
✔ Kräftigende Speisen
Suppen, Eintöpfe, Brühen, Fleisch in Maßen – alles, was leicht verdaulich ist und nährt.
✔ Wärmende Gewürze
Ganz zentral bei Hildegard:
- Galgant (ihr Hauptgewürz gegen Kälte & Schwäche)
- Bertram
- Fenchel
- Zimt (maßvoll)
👉 Sie schreibt, dass diese Gewürze „das Herz erfreuen, die Säfte erwärmen und den Menschen froh machen“.
🌙 Melancholie & Winterträgheit
Hildegard kennt das, was wir heute Winterdepression nennen, als Melancholie.
Sie entsteht laut ihr durch:
- Kälte im Körper
- schwere, ungeeignete Nahrung
- fehlende Lebensfreude
- zu wenig Licht & Bewegung
Ihre Antwort darauf ist niemals „zusammenreißen“,
sondern:
✨ Wärme
✨ Rhythmus
✨ gute Nahrung
✨ sanfte Bewegung
✨ Freude
💛 Claudchi-Zusammenfassung
Wenn man Hildegard heute zuhören würde, würde sie vermutlich sagen:
„Im Winter friert nicht der Körper –
es friert die Lebenskraft.
Und sie will genährt werden.“
Mit:
- warmem Essen
- stärkenden Gewürzen
- Maß statt Mangel
- und einem liebevollen Umgang mit sich selbst.
Bleibt warm.
Von innen und von Herzen. 🤍